Kultfiguren verlassen die GTS

So etwas haben wir selten: Mit dem Ende dieses Schuljahres verabschiedet die Gewerblich-Technische Schule Offenbach gleich fünf echte Originale in den Ruhestand. Wir sagen Tschüss zu einer bunten Mischung aus amtlicher Zuverlässigkeit, familiärem Pioniergeist, textiler Handwerker-Couture, volksnahem Mafioso-Charme und dem guten Geist.

Vom Ehren-Japaner auf die Insel: Andreas Brödel

Wer kann schon von sich behaupten, ein vom Staat zertifizierter guter Kerl zu sein? Unser Qualitätsmanager und Luftfahrt-Experte hat es tatsächlich schriftlich: Er hat eine amtliche Zuverlässigkeitsprüfung bestanden. Nach 18 Jahren an der GTS, in denen der Kfz-Mechaniker und Maschinenbauer auch neun Jahre lang den Personalrat anführte, tauscht er Offenbach nun gegen Fuerteventura. Da er vor seiner Schulzeit 13 Jahre lang für Mitsubishi als Trainer viele Male nach Japan jettete, verlässt uns mit ihm nicht nur ein hochgeschätzter Kollege, sondern auch der inoffizielle „Ehren-Japaner“ der Schule. Sayonara und ab auf die Insel!

Der Pionier: Detlef Gailberger

40 Jahre Schuldienst! Angefangen hat es 1986 typisch hessisch: Trotz eines glänzenden 1,8-Examens gab es keine Stelle. Über den Umweg Baden-Württemberg landete er glücklicherweise doch bei uns an der GTS. Dort prägte er als Fachkonferenzvorsitzender Generationen von Konstruktionsmechanikern und Metallbauern. Eine wahre Pionierleistung fand jedoch vor 25 Jahren statt: Er nahm ein volles Jahr Elternzeit. In der chronisch männerdominierten GTS-Welt der späten 90er Jahre war er damit die absolute, unangefochtene Ausnahme! Leider bleibt er das bis heute. Ein Vorbild, das weit über den Unterricht und seine Einsätze im Gesundheits- und Krisenteam hinausreicht.

Engelbert Strauss als Lebenseinstellung: Peter Ratti

34 Jahre GTS – und das gefühlt jeden Tag noch vor Sonnenaufgang. Digitale Post? E-Mails sind für ihn eher unverbindliche Leseempfehlungen, die man auch getrost ignorieren kann. Er ist eben ein Macher, kein Tipper. Der Kfz-Fachlehrer mit dem markanten Zopf ist ein Mann der Tat und des Abenteuers: Ob auf dem Motorrad, als Waldbesitzer an der Kettensäge, hoch zu Ross oder als begnadeter Brotbäcker am Ofen. Wer ihn kennt, weiß: Arbeitskleidung von Engelbert Strauss ist für ihn keine Modeerscheinung, sondern eine tief verankerte Lebenseinstellung.

„Tante Käthe“ als Mafioso: Rudi Zacharias

Er weiß alles, er kann alles und – ganz wichtig – er sagt auch alles. Unser Universaltalent verlässt das Gebäude! Er hat das komplette, gefürchtete Alphabet der Schulformen (BVJ, BGJ, BFS, EIBE, EBA, PLID, PuSch) durchgespielt und nebenbei lässige 20 Jahre den Förderverein gewuppt. Seinen Spitznamen „Tante Käthe“ trägt er völlig zu Recht: Wie die Fußballlegende Rudi Völler ist unser Rudi ein unermüdlicher Teamplayer, absoluter Volksheld und eine echte Kultfigur an der Schule. In einem Schulsketch mimte er überzeugend den Mafioso à la Don Corleone. Nach außen der harte Hund, der aber im Geheimen liebevoll sein Kätzchen streichelt. Wenn unser Maschinenschlosser nicht gerade Bollerwagen baut oder eigenhändig Drachen, Taschen und Planen näht, cruist er ab sofort mit dem „Rudi-Mobil“ als fahrendes Gesamtkunstwerk quer durch die Welt.

Der gute Geist mit den bunten Klebepunkten: Yildiz Baez

Nicht nur aus dem Lehrerkollegium gibt es Abgänge, auch das Medienzentrum verliert sein absolutes Herzstück. Über Jahre hinweg managte unsere gute Seele die Bibliothek und verschickte mit empathischer, aber unerbittlicher Hartnäckigkeit Mahnungen für überfällige Bücher. Als Corona die Schule zur Digitalisierung zwang, wurde sie kurzerhand zur Herrin der Laptops und iPads. Jedes einzelne Gerät wurde liebevoll mit einem geradezu forensischen System aus Farbmarkierungen und Klebepunkten veredelt. Unvergessen bleiben zudem die Einsätze an der Kamera: Ihre Fotoshootings für die Schülerausweise haben an der GTS längst Legendenstatus erreicht. Sie war weit mehr als nur die Verwaltung des Medienzentrums – sie war der gute Geist des Hauses. Für unzählige Schülerinnen und Schüler schuf sie ein Stück Zuhause im rauen Schulalltag, und auch ruhesuchende, völlig erschöpfte Lehrkräfte fanden in ihrem Reich stets Asyl und ein offenes, geduldiges Ohr (und eine Couch für kurze Power-Naps). Nun geht die stolze Oma in den Ruhestand. Wer sie allerdings kennt, ahnt bereits: Ganz ohne den Trubel, ohne Schüler und Jugendliche hält sie es ohnehin nicht lange aus.

Wir danken allen vier Kollegen für ihre Treue, die offenen Worte und den unermüdlichen Einsatz. Genießt den Ruhestand – ihr habt ihn euch verdient!

Ab nach Italien!:  Marialuisa Galié

Unsere Kollegin Marialuisa Galié macht Pause von Offenbach. Sie wird für einige Zeit in den Auslandsschuldienst gehen und zwar nach bella Italia, ihrem Heimatland. Danke für die Arbeit bei uns und bis hoffentlich bald!